07 Juli 2011

Interview mit Anne Messinger (Modistin)

Meine Freundin Anne hat den Mädels von Línutile ein Interview gegeben. 
Weil Anne und ich auch hin und wieder gemeinsame Aktionen machen, von denen ich hier berichte und ich Anne´s Kreationen zudem sehr mag, möchte ich Euch das Interview  nicht vorenthalten ( es ist also nicht auf meinem Mist gewachsen !).


Der Blog der Mädels ist übrigens super ! 




Interview mit Anne Messinger (Modistin)




Schon vor einigen Monaten durchsuchte ich das Internet nach Hutmachern in der Umgebung, da ich gerne mal ein Praktikum bei einem Modisten machen würde, dabei stieß ich zufällig auf einen Artikel über Anne Messinger der mir sehr imponierte. Als wir dann mit dem Bloggen anfingen fiel sie mir wieder ein, und ich schrieb sie sofort für ein Interview an. Was daraus wurde, könnt ihr nun lesen.




Ich bin Anne Messinger, 27 Jahre alt und fertige in meiner kleinen Werkstatt mit viel Liebe wunderschönen Kopfschmuck, Hüte und Mützen an!
Die Kreationen sind meist Einzelstücke, es gibt auch kleine Serien aber trotzdem gleicht kein Stück dem anderen. Das ist eben Handarbeit!
Es gibt Haarreifen mit großen Kreationen für Bräute oder Bälle und Feiern aber auch klein und fein für jeden Tag. Im Sommer Hüte aus Stroh und Mützen aus Baumwolle, im Winter Hüte aus Haar- und Wollfilz und tolle Mützen aus Schurwolle!
Alle Kreationen sind "ein bischen neben der Spur" wie eine Kundin zu sagen pflegte und dadurch etwas besonders!
Vor allem die Hüte sollen eher nicht so ernst genommen werden, nicht zu schick machen, sondern für jeden Tag gute Laune verbreiten!
Im Moment liebe ich für die Hüte das Thema "Trachtig", also viel mit Hirschen und irgendwie bayrisch aber ohne altmodisch zu sein und einfach witzig!
Es kommt auch bei den Kunden sehr gut an.

Ich bastel und werkele schon von klein auf gerne und liebe Blumen, Garten und Natur!
Meine Ausbildung habe ich bei Hut Up in Hannover gemacht, die Ausbildung dauerte 3 Jahre und war sehr interessant!
Mit meinen Gesellenstücken bin ich Bundessiegerin im Praktischen Leistungswettbewerb geworden.
Nach meiner Ausbildung habe ich mich gleich selbstständig gemacht das war im April 2007.
Im September 2009 habe ich dann meine Meisterprüfung gemacht und bin seitdem Modistenmeisterin!




Wie kamst du auf die Idee eine Ausbildung zur Modistin zu machen?

Eigentlich wollte ich Modedesign studieren und auf der Suche nach einem Praktikumsplatz bin ich über den Hutladen in Linden gestolpert.
Die hatten einen Ausbildungsplatz frei und da habe ich dann spontan zugesagt!


War es schwer einen Ausbildungsplatz zu finden?

Nein, für mich nicht da ich ja zufällig einen bekommen habe, aber ich weiß das es nur wenige gibt die in diesem Beruf ausbilden!


Wie sah die Ausbildung aus?

Die Ausbildung zur Modistin dauert 3 Jahre und man hat wie in jedem Handwerksberuf Berufsschule und die normale Ausbildung im Betrieb.
Am Anfang lernt man natürlich erstmal die Grundfertigkeiten, wie z.B. das Nähen auf der Nähmaschine und von Hand oder das Ziehen von Hüten usw.
Später darf man dann auch freier arbeiten, die Kunden beraten und selber kreativ werden.
Ich hatte das Glück, dass ich in einem relativ kleinen Betrieb gelernt habe, wo früh die eigene Kreativität gefragt war und man auch von Anfang an mit den Kunden arbeiten durfte!
In der Berufsschule hat man natürlich auch Fächer wie Wirtschaft und Politik und so, aber auch Warenkunde, Zeichnen, Fachkunde usw. die dann spezielle Themen zum Beruf unterichten.
Am meisten Spaß hat mir Fachkunde gemacht, hier lernt man alles über die verschiedenen Materialen, also die Stroharten, Filzarten, Stoffe, Federn, Schleier etc.



Welche Materialien verwendest du besonders gerne?

Ich liebe es mit Federn, Schleier und Tüll kleine aber feine Kreationen zu zaubern... aber eigentlich machen alle Materialen Freude, im Sommer Parasisol und Sinamay (Stroharten aus einer Agavenfaser) und im Winter Haarfilz!

Für wen würdest du gerne mal etwas fertig/mit wem würdest du gerne mal zusammen arbeiten?

Ich würde mich freuen wenn irgendwann mal ein Kopfputz von mir in Ascot zum Rennen geht!!

Hast du noch mehr handwerkliche Hobbys?

Oh ja ich nähe super gerne, male manchmal, bin immer fleißig am Dekorieren und einrichten und gärtnern... ich mag alles bei dem man kreativ sein kann und bin immer in Aktion!

Du hast dich sehr jung selbstständig gemacht, aus welchen Gründen wolltest du diesen großen Schritt gehen und wie hat deine Umwelt darauf reagiert?

Für mich war von Anfang an klar das es in meinem Beruf schwierig wird eine feste Stelle zu finden und daher wusste ich schon früh an das ich mich selbststämdig machen werde! Meine Familie hat mich von Anfang an unterstützt und meine erste Werkstatt war in einem kleinen Kellerraum bei meinen Eltern! 
Meine Mama sammelt immer ganz fleißig alles was in der Zeitung über mich steht und sie sind alle sehr stolz auf mich!

Was fasziniert dich besonders am Handwerk?

Ich arbeite unglaublich gerne handwerklich, weil es mit einfach Spaß macht Dinge entstehen zu sehen. Bei der Arbeit entstehen immer neue Ideen und es passiert oft, dass man mit einer Idee im Kopf anfängt und am Ende aber etwas anderes dabei herauskommt, das einem noch viel besser gefällt!
Deshalb wäre es für mich nichts, meine Ideen nur zu entwickeln und dann jemandem anders zum produzieren zu geben, ich arbeite lieber selber und schaue meinen Ideen beim "reifen" zu!


Was würdest du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die im Handwerk erfolgreich sein wollen?

Nicht den Mut zu verlieren wenn mal nicht alles läuft wie geplant! Manchmal ergeben sich auch aus schwierigen Situationen neue Lösungen oder Ideen an die man vorher gar nicht gedacht hätte!!

Ich liebe es Modistin zu sein, weil...man so unheimlich vielseitig arbeiten kann und der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind!





1 Kommentar:

  1. Schön, von Euch zu lesen! Klasse gemacht, liebe Annika! ;-)

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